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Endometriose und Osteopathie

19. Okt.
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen



Ein ganzheitlicher Ansatz zur Unterstützung von Frauen mit Endometriose

In meiner Osteopathie-Praxis begleite ich Frauen mit Endometriose. Ziel der Behandlung ist es, Schmerzen zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und Frauen bei Bedarf auch während ihrer Schwangerschaft unterstützend zu begleiten. Mein Ansatz ist ganzheitlich und individuell. Er umfasst manuelle osteopathische Techniken sowie Empfehlungen zu Bewegung, Ernährung und Lebensstil. Dabei berücksichtige ich auch die komplexen hormonellen und entzündlichen Prozesse, die bei Endometriose eine Rolle spielen können. Wenn Sie an Endometriose leiden und erfahren möchten, ob Osteopathie als ergänzende Behandlung für Sie infrage kommt, können Sie gerne einen Beratungstermin in meiner Praxis vereinbaren oder mich telefonisch kontaktieren.


Was ist Endometriose? 

Endometriose ist eine chronische, entzündlich geprägte Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter vorkommt. Diese Gewebeherde können auf hormonelle Veränderungen im Menstruationszyklus reagieren und entzündliche Prozesse auslösen. Je nach Lage und Ausprägung können Endometrioseherde Schmerzen, Verklebungen und Verwachsungen im Bereich des Bauch- und Beckenraums verursachen. Ebenso sind Veränderungen des Immunsystems und chronische Entzündungsprozesse möglich. Die genauen Ursachen und Krankheitsmechanismen sind bis heute nicht vollständig geklärt.

Endometriose betrifft etwa jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter. Die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein. Dazu gehören beispielsweise:

 

- Starke oder schmerzhafte Menstruationsblutungen

- Schwierigkeiten, schwanger zu werden

- Chronische Unterbauch- und Beckenschmerzen

- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

- Schmerzen beim Stuhlgang oder Wasserlassen

- Erschöpfung und ausgeprägte Müdigkeit

 

Bis zur Diagnose vergehen häufig mehrere Jahre. Ein Grund dafür ist, dass die Symptome sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können. Zudem werden starke Menstruationsschmerzen noch immer nicht ausreichend ernst genommen oder als vermeintlich normale Regelschmerzen eingeordnet. 

Wichtig ist: Starke Regelschmerzen sind kein Zustand, den Sie einfach hinnehmen müssen. Bei entsprechenden Beschwerden ist eine gynäkologische Abklärung sinnvoll.


Endometriose ist eine komplexe Erkrankung, bei der verschiedene Faktoren zusammenspielen. Dazu gehören hormonelle Einflüsse, genetische Veranlagung sowie Veränderungen des Immunsystems und entzündliche Prozesse [1].  

Entsprechend individuell sollte auch die Behandlung gestaltet werden.

 

Zu den etablierten medizinischen Behandlungsmöglichkeiten gehören hormonelle Therapien, Schmerzmedikamente und – abhängig von der individuellen Situation – operative Verfahren. Hormonelle Behandlungen können beispielsweise den Einfluss von Östrogen auf die Endometrioseherde reduzieren und dadurch Beschwerden lindern. Allerdings wirken sie nicht bei allen Frauen ausreichend oder können unerwünschte Nebenwirkungen verursachen. Viele Betroffene wünschen sich deshalb zusätzliche Möglichkeiten, um ihre Beschwerden zu lindern und ihre Lebensqualität zu verbessern.

 

Ergänzend zur medizinischen Behandlung können je nach individueller Situation manuelle Therapien, wie Osteopathie, angepasste Bewegung sowie eine ausgewogene Ernährung sinnvoll sein. Diese Ansätze ersetzen keine notwendige gynäkologische Behandlung, können aber Teil eines umfassenden Behandlungskonzepts sein.


Osteopathie bei Endometriose 

Erste wissenschaftliche Untersuchungen geben Hinweise darauf, dass Osteopathie und manuelle Therapie bei Frauen mit Endometriose zur Linderung von Schmerzen und zur Verbesserung einzelner Aspekte der Lebensqualität beitragen könnten [2],[3]. 

Auch eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse untersuchte physiotherapeutische Maßnahmen bei Endometriose. Die Ergebnisse deuteten auf eine mögliche Verringerung der Schmerzen hin. [4]. 

Diese Ergebnisse sind ermutigend, müssen aber vorsichtig eingeordnet werden. Die Zahl der Studien und Teilnehmerinnen ist begrenzt, und die untersuchten Behandlungsmethoden unterscheiden sich teilweise deutlich. Weitere hochwertige Studien sind notwendig, um besser beurteilen zu können, welche Maßnahmen für welche Patientinnen besonders hilfreich sind.


Die Osteopathie bietet außer ihren manuellen Techniken im Bereich der inneren Organe und den gezielten Faszientechniken wertvolle therapeutische Möglichkeiten in der Behandlung von Endometriose. Ich verfolge dabei einen individuellen, ganzheitlichen Ansatz. Dabei kombiniere ich Osteopathie mit einer Beratung zu Bewegung, gezielten Übungen und möglichen Anpassungen des Lebensstils.

Ziel ist es, Ihre Beschwerden zu lindern und Ihr körperliches Wohlbefinden zu unterstützen. Wie gut eine Behandlung hilft, ist individuell unterschiedlich. Eine Heilung der Endometriose oder eine Verbesserung der Fruchtbarkeit durch Osteopathie kann nicht versprochen werden.



Endometriose und Ernährung 

In den vergangenen Jahren ist das wissenschaftliche Interesse an chronischen Entzündungsprozessen, Ernährung und ihrem Bezug zu verschiedenen Erkrankungen gewachsen. Auch bei Endometriose wird untersucht, welche Rolle die Ernährung für Entzündungsprozesse, Symptome und mögliche Begleiterkrankungen spielen könnte. Dabei ist wichtig, zwischen nachgewiesenen Zusammenhängen und bislang vermuteten Wirkmechanismen zu unterscheiden. Die genauen Zusammenhänge sind noch nicht vollständig geklärt. Viele Studien berichteten aber über einen positiven Effekt auf die Schmerzwerte bei Endometriose [5].

Eine japanische Studie untersuchte beispielsweise den Zusammenhang zwischen der Ernährung vor einer Schwangerschaft und bestimmten Schwangerschaftsergebnissen bei Frauen mit Endometriose. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass eine stärker entzündungshemmend ausgerichtete Ernährung vor der Schwangerschaft mit einem geringeren Risiko für niedriges Geburtsgewicht und Frühgeburten verbunden sein könnte [6].

Solche Ergebnisse bedeuten, dass eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung ein sinnvoller Bestandteil eines ganzheitlichen Gesundheitskonzepts sein kann.


Entzündungshemmende Ernährung - Wie sieht das aus?

Ernährungsempfehlungen können schnell den Eindruck vermitteln, dass Lebensmittel eindeutig in „gut“ und „schlecht“ eingeteilt werden müssen. Ein solcher Ansatz ist jedoch selten hilfreich, vor allem wenn er zu unnötigem Verzicht oder zusätzlichem Stress führt.

Oft ist es sinnvoller, sich auf kleine, realistische Veränderungen zu konzentrieren: Entscheiden Sie sich dafür, bestimmte Lebensmittel häufiger zu essen, andere etwas seltener zu wählen und nach und nach neue Gewohnheiten zu entwickeln.

Eine entzündungshemmend ausgerichtete Ernährung bedeutet nicht, strenge Regeln einzuhalten oder auf alles zu verzichten, was man gerne isst. Vielmehr geht es darum, überwiegend frische oder wenig verarbeitete Lebensmittel zu wählen und die Ernährung abwechslungsreich zu gestalten.

Wenn möglich, können Sie saisonale und regionale Produkte bevorzugen. Mein Ansatz ist : integrieren Sie Schritt für Schritt mehr nährstoffreiche Lebensmittel in Ihren Alltag, statt sich strikt an bestimmte Rezepte oder Ernährungspläne zu halten. Kochbücher und Rezepte bieten Inspiration. Oft ist es aber schon ein guter Anfang, regelmäßig Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und hochwertige pflanzliche Öle auf den Speiseplan zu setzen.

 

Von welchen Lebensmitteln können Sie mehr essen?

  • Viel Gemüse und Obst: Wählen Sie möglichst abwechslungsreiche Sorten und orientieren Sie sich an der Saison. Brokkoli, Blumenkohl und Beeren können eine gute Ergänzung sein. Kreuzblütler wie Brokkoli und Blumenkohl enthalten bioaktive Pflanzenstoffe, deren mögliche Bedeutung bei Endometriose wissenschaftlich untersucht wird [7]. Beeren sind reich an anti-entzündlichen sekundären Pflanzenstoffen wie Vitaminen und Polyphenolen [8].

  • Omega-3-reicher Fisch: Hering, Makrele und Sardinen liefern Omega-3-Fettsäuren. Wenn Sie Fisch mögen, können diese Sorten regelmäßig Teil Ihrer Ernährung sein. Achten Sie möglichst auf nachhaltige Herkunft. Hochwertiger Fisch aus der Dose kann ebenfalls eine praktische Alternative sein.

  • Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte: Haferflocken, Vollkorn- oder Roggenbrot, Linsen und Kichererbsen liefern Ballaststoffe und weitere wichtige Nährstoffe.

  • Nüsse, Samen und Olivenöl: Mandeln, Walnüsse, Kürbiskerne und Olivenöl liefern wertvolle Fettsäuren und weitere Nährstoffe. Schon eine kleine Handvoll Nüsse am Tag kann eine sinnvolle Ergänzung sein.

  • Hochwertige Proteinquellen: Dazu gehören beispielsweise Hülsenfrüchte, Eier, Fisch und Geflügel. Hähnchenfleisch hat keine nachgewiesene direkte entzündungshemmende Wirkung, kann aber als Proteinquelle Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein.

  • Weniger stark verarbeitete Lebensmittel: Versuchen Sie, den Konsum stark verarbeiteter Produkte, zuckerreicher Getränke und von verarbeitetem Fleisch wie Speck und Würstchen zu begrenzen.

  • Wenn Sie keinen Fisch oder keine Meeresfrüchte essen mögen, können Sie sich überlegen, ob ein pflanzliches Omega-3-Präparat für Sie sinnvoll ist.



 

 

 

Schritte, die einen Unterschied machen können

Der Umgang mit Endometriose ist für viele Frauen eine körperliche und emotionale Herausforderung. Umso wichtiger ist es, einen Behandlungsansatz zu finden, der zur eigenen Lebenssituation passt.

Eine individuell abgestimmte Kombination aus medizinischer Betreuung, Osteopathie, Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung kann ein sinnvoller Weg sein, um die Lebensqualität zu unterstützen.

Sie müssen nicht alles auf einmal verändern. Oft ist es hilfreicher, mit kleinen Schritten zu beginnen und herauszufinden, was Ihnen persönlich guttut.

Wenn Sie wissen möchten, ob eine osteopathische Behandlung als ergänzende Maßnahme für Sie infrage kommt, berate ich Sie gerne individuell in meiner Praxis.


Quellen:

1.     Saunders, P. T. K., & Horne, A. W. (2021). Endometriosis: Etiology, pathobiology, and therapeutic prospects. Cell, 184(11), 2807–2824.

2.     Walsen, K et al., (2024) EndOst-Studie: Osteopathie als integrative Therapieoption für Patientinnen mit Endometriose- assoziierten Schmerzen: eine randomisierte kontrollierte Pilotstudie, Geburtshilfe und Frauenheilkunde 84(10):p.253-p.254.

3.     Muñoz-Gómez, E., et al. (2023). Effectiveness of a Manual Therapy Protocol in Women with Pelvic Pain Due to Endometriosis: A Randomized Clinical Trial. Journal of Clinical Medicine, 12(9), 3310.

4.     Abril-Coello, R., et al. (2023). Benefits of physical therapy in improving quality of life and pain associated with endometriosis: A systematic review and meta-analysis. International Journal of Gynecology & Obstetrics, 162(1), 233– 243.

5.     Meneghetti, et al. (2024). Effect of Dietary Interventions on Endometriosis: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Reproductive Sciences, 31, 3613–3623. 

6.    Kyozuka, H., et al. (2021). Prepregnancy antiinflammatory diet in pregnant women with endometriosis: The Japan Environment and Children's Study. Nutrition, 85.

7.     García-Ibañez, P., et al. (2020). Brassica Bioactives Could Ameliorate the Chronic Inflammatory Condition of Endometriosis. International Journal of Molecular Sciences, 21(24), 9397.

8.     Joseph, S. et al. (2014), Berries: anti-inflammatory effects in humans, Journal of Agricultural and Food Chemistry, 62(18),p. 3886-3903.

 


 

 


 
 
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